Peterli - das verkannte Kraut
07 Jan
Autor: Edith - Kategorie: Aufgefallen
Manche Nahrungsmittel und Gewürze haben eine anregende, aphrodisierende Wirkung. Bei der Petersilie gilt es, ein angeschlagenes Image aufzubessern.
Die Petersilie, in Schweizerdeutsch ein bisschen bellend «Peterli» genannt, findet sich auf jedem Teller zwischen Schaffhausen und Bellinzona als Garnitur. «Peterli» ist Ausdruck des Alltäglichen, Provinziellen. «Peterli» ist etwas Urschweizerisches, repräsentativ geradezu für die gesamte Hausmanns-Kost. Auf dem Schnitzel, das es zu den Pommes gibt - im Volksmund auch «Schnipo» genannt - darf die Petersilie niemals fehlen. Der grasgrüne Stängel soll als Verzierung dienen, dabei spricht er unser Auge eigentlich überhaupt nicht an. Er ist uns nur lästig. Wir schieben ihn an den Tellerrand und dort bleibt er dann liegen, bis der Teller vom Chef de Service abgeräumt wird. Essen? Essen würden wir dieses Unkraut niemals. Ein Fehler, wie ich am Samstag von meinen Freunden erfahren musste. Denn die unerotische Petersilie hat tatsächlich eine aphroditisierende Wirkung! Ich war fürwahr geschockt, als meine allwissenden Freunde mich darüber aufklärten. Ausgerechnet Peterli! Chilli - kann ich mir lebhaft vorstellen, auch Nelken oder Senf regt meine Fantasie an, Schokolade oder Kaffee sowieso…aber Peterli??
Dieses neue Wissen bringt einige Schwierigkeiten mit sich. Denn es verändert meine Einstellung gegenüber der Hausmannskost auf geradezu radikale Weise. Ist ihre anregende Wirkung etwa der eigentliche Grund, warum die Petersilie in jeder Gaststätte zur Grundausstattung zu gehören scheint? Ist Provinz gar nicht Provinz, sondern Stätte aufgeklärten Weltwissens? Und auch meine künftigen Tischgesellen, so zahlreich dürften sie nicht sein, welche die Petersilie tatsächlich essen - oder müsste man bereits auf das Wort vernaschen zurückgreifen? - werde ich in Zukunft mit ganz anderen Augen betrachten. Sind sie die Eingeweihten? Weiss etwa bereits die ganze Welt, dass die Petersilie eigentlich kein Lustkiller, sondern ein Lustmacher ist, nur an mir ist diese Information bisher vorbei gegangen? Und wie werde ich mich künftig gegenüber der Petersilie selber verhalten - muss ich ihr jetzt tatsächlich eine Chance geben? Zumindest in dieser Hinsicht konnte mir eine kleine Recherche im World Wide Web etwas Erleichterung verschaffen. Denn während Zimt und Ingwer die Durchblutung verstärken, wirken Sellerie und Petersilie vor allem auf die männlichen Harnwege, was auch die Geschlechtsorgane reizt. Petersilie ist etwas für die Männer. Puh. Zum Glück.
Buchtipp: Isabel Allende hat mit «Aphrodite. Eine Feier für die Sinne» ein wunderbares Buch über Aphrodisiaka geschrieben. Auf welche Sünden möchte ich nicht verzichten?, soll sich die lateinamerikanische Schriftstellerin und Feministin Isabel Allende gefragt haben. Die Antwort: Wollust und Völlerei! Nach dem schmerzhaften Verlust ihrer Tochter Paula wollte sie über etwas schreiben, das sie zurück ins Leben holen würde. Denn: «Wenn Kochbücher einen Teil ihres Bücherregals füllen», schreibt Allende, «sollten es Bücher über die Erotik ebenfalls».






















